Skip to content

Spielend Kommunikation lernen

Haben Sie zuhause im Schrank vielleicht noch ein Tangram (altes chinesisches Legespiel) herumliegen? Falls nicht, funktioniert diese Übung auch mit 5-10 verschieden geformten Holzklötzchen oder zwei Zetteln und zwei Stiften. Und in jedem Fall brauchen Sie einen zweiten Menschen dazu.
Wenn Sie mit dem Tangram oder Holzklötzchen spielen, dann brauchen Sie außerdem eine Vorlage, also ein Bild, wie das Tangram oder die Klötzchen gelegt werden sollen.
Setzten Sie sich nun Rücken an Rücken mit Ihrem Spielpartner/Ihrer Spielpartnerin. Eine/r von Ihnen beiden hat die Vorlage, bzw. zeichnet mit einigen wenigen Strichen ein einfaches Bild (das Bild kann auch einfach nur aus einigen geometrischen Figuren und Strichen bestehen, z.B. so)

Der/die andere hat das Tangram, die Klötzchen oder einen leeren Zettel und ebenfalls einen Stift. Nun geht es darum, die Vorlage so zu beschreiben, dass der Spielpartner die Vorlage möglichst genau nachzeichnen oder legen kann. Also A hat eine Vorlage und beschreibt diese mit Worten. B zeichnet oder legt, was er/sie versteht. Dabei sehen sich A und B nicht. Wenn Ihnen das zu einfach scheint, spielen Sie auf Zeit und/oder ohne Rückfragen.

Sie erfahren bei diesem Spiel besonders viel über Kommunikation, wenn Sie anschließend darüber sprechen, wer was wie und warum verstanden hat…

Machen Sie die Übung wenn möglich mit verschiedenen Menschen. Was stellen Sie fest?

An meine Trainerkollegen: Sicher setzten viele von Ihnen das Spiel so oder so ähnlich schon ein. Wenn nicht, probieren Sie es doch mal! Es passt wann immer es um Kommunikation geht: egal ob Präsentationsseminar, Bewerbungstraining, interkulturelles Training oder Managementcoaching. Mit den richtigen Fragen für die Nachbesprechung ist dies eine geniale Übung um Fallstricke der Kommunikation zu verdeutlichen (auch wenn es ja erst mal „nur“ um Sprache geht). Besonders spannend auch in Gruppen, wenn eine/r beschreibt und alle anderen legen, bzw. zeichnen. Warum verstehen es mache super und andere gar nicht?

Wie Hund und Katz

Manche Menschen sind einfach wie Hund und Katz.
Obwohl sie die gleiche Sprache sprechen, aus dem gleichen gesellschaftlichen Umfeld stammen und auch noch etwa gleich alt sind kommt keine „gute Kommunikation“ zustande. Es hagelt Missverständnisse, Vorwürfe und oft sogar Beleidigungen. „Mit dem/der komm ich einfach nicht klar. Die/der versteht mich ja doch nicht.“ So spricht etwa eine Informatikerin über einen Vertriebsmitarbeiter. Ist ja auch kein Wunder, denn in der Regel sind Informatiker analytisch geprägte, faktenbezogene Menschen, die Logik und Struktur lieben. Vertriebler dagegen sind meist eher menschenbezogen, emotional und kreativ.
Nehmen wir an beide waren im Theater und haben das gleiche Stück gesehen.
„Wie war Ihr Theaterbesuch?“
Informatikerin: „Recht gut. Da hat man echt was bekommen fürs Geld, 125 Minuten Unterhaltung. Das Bühnenbild war gut gemacht, hat realistisch gewirkt. Und die Ton- und Lichttechnik waren echt gut. Die Handlung war teilweise etwas unlogisch, aber es war unterhaltsam.“
Vertriebsmitarbeiter: „Echt wunderschön! Schon die Dame an der Garderobe war wirklich freundlich, die hatte richtig Spaß an Ihrem Job. Und dann das Stück! Ein Traum! Die haben mit so einer Leidenschaft gespielt, ich war total gefesselt, die ganzen zwei Stunden lang. Das müssen Sie sich unbedingt auch ansehen!“
Ob das wohl anders läuft, wenn die beiden sich über das neueste Software-Update für den Kunden austauschen müssen? Sicher nicht. Und dabei müssten doch nur beide anerkennen, dass der/die andere anders tickt. Dann ließe sich mit etwas gutem Willen ein gemeinsames Vokabular finden.
Auch Hund und Katz (und sogar noch eine Ratte dazu) können es schaffen!

Kommunikation in Vollendung

Ich glaube wir können es auch!